{"id":1281,"date":"2020-11-16T12:00:32","date_gmt":"2020-11-16T11:00:32","guid":{"rendered":"https:\/\/crossroads-bis-2024.hi-deutschland-projekte.de\/crossroads\/?page_id=1281"},"modified":"2022-09-29T11:45:25","modified_gmt":"2022-09-29T09:45:25","slug":"grundlegende-informationen-zur-lebenssituation-von-gefluchteten-menschen-mit-behinderung","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/crossroads-bis-2024.hi-deutschland-projekte.de\/crossroads\/capacity-building\/roadbox\/grundlegende-informationen-zur-lebenssituation-von-gefluchteten-menschen-mit-behinderung\/","title":{"rendered":"Grundlegende Informationen zur Lebenssituation gefl\u00fcchteter Menschen mit Behinderung"},"content":{"rendered":"\n<h1>\n\t\tGrundlegende Informationen zur Lebenssituation gefl\u00fcchteter Menschen mit Behinderung\n\t<\/h1>\n\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/crossroads-bis-2024.hi-deutschland-projekte.de\/crossroads\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2021\/04\/titelbild-kachel-leben-von-gefluechteten-mit-b-in-d.jpg\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/crossroads-bis-2024.hi-deutschland-projekte.de\/crossroads\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2021\/04\/titelbild-kachel-leben-von-gefluechteten-mit-b-in-d.jpg 2954w, https:\/\/crossroads-bis-2024.hi-deutschland-projekte.de\/crossroads\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2021\/04\/titelbild-kachel-leben-von-gefluechteten-mit-b-in-d-300x203.jpg 300w, https:\/\/crossroads-bis-2024.hi-deutschland-projekte.de\/crossroads\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2021\/04\/titelbild-kachel-leben-von-gefluechteten-mit-b-in-d-1024x693.jpg 1024w, https:\/\/crossroads-bis-2024.hi-deutschland-projekte.de\/crossroads\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2021\/04\/titelbild-kachel-leben-von-gefluechteten-mit-b-in-d-768x520.jpg 768w, https:\/\/crossroads-bis-2024.hi-deutschland-projekte.de\/crossroads\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2021\/04\/titelbild-kachel-leben-von-gefluechteten-mit-b-in-d-1536x1040.jpg 1536w\" width=\"2954\" height=\"2000\"\/>\n\t\t\t\t\t\t<p>&copy; Till Mayer<\/p>\n\t<div class=\"pdfprnt-buttons\"><a href=\"https:\/\/crossroads-bis-2024.hi-deutschland-projekte.de\/crossroads\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1281?print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/crossroads-bis-2024.hi-deutschland-projekte.de\/crossroads\/wp-content\/uploads\/pdf-print-buttons\/pdf_3_button.png?2014909580\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><span class=\"pdfprnt-button-title pdfprnt-button-pdf-title\">Dieses Kapitel als PDF herunterladen<\/span><\/a><\/div>\n\t<h2>Einleitung: Lebenssituation gefl\u00fcchteter Menschen mit Behinderung<\/h2>\n<p>Wer als gefl\u00fcchteter Mensch mit Behinderung in Deutschland ankommt, ist anfangs \u00fcberw\u00e4ltigt. Dieses Kapitel evaluiert die Daten- und Versorgungslage gefl\u00fcchteter Menschen mit Behinderung in Deutschland und gibt Handlungsempfehlungen zum Thema. Dar\u00fcber hinaus stellt ein Text die subjektiven Phasen des Ankommens Gefl\u00fcchteter mit Behinderung in Deutschland modellhaft dar.<\/p>\n\t<h2>Video<em> &#8220;\u00dcberblick zur Situation von gefl\u00fcchteten Menschen mit Behinderungen in Deutschland&#8221;<\/em><\/h2>\n\t  <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/crossroads-bis-2024.hi-deutschland-projekte.de\/crossroads\/wp-content\/plugins\/borlabs-cookie\/assets\/images\/cb-no-thumbnail.png\" alt=\"YouTube\"\/>  <p>Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerkl\u00e4rung von YouTube.<br \/><a href=\"https:\/\/policies.google.com\/privacy\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener noreferrer\">Mehr erfahren<\/a> <a href=\"#\" data-borlabs-cookie-unblock role=\"button\">Video laden<\/a> <label><input type=\"checkbox\" name=\"unblockAll\" value=\"1\" checked\/> <small>YouTube immer entsperren<\/small><\/label><\/p>   \n\t<h2>Die Situation gefl\u00fcchteter Menschen mit Behinderung in Deutschland<\/h2>\n<h3>1. Werden Behinderungen gefl\u00fcchteter Menschen bei der Erstaufnahme identifiziert?<\/h3>\n<p>Nein, daf\u00fcr gibt es derzeit noch keine einheitliche Systematik. Das Merkmal \u201eBehinderung&#8221; wird weder bei der Erstregistrierung Asylsuchender noch zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt systematisch erfasst. Dementsprechend kann auch im Rahmen der Erstaufnahme der Unterst\u00fctzungsbedarf nicht systematisch festgestellt werden &#8211; vor allem die sogenannten nicht sichtbaren Behinderungen bleiben h\u00e4ufig unentdeckt.<\/p>\n<p>Oft h\u00e4ngt es von der individuellen Situation und vom Zufall ab, ob die Fachkr\u00e4fte in den Erstaufnahmeeinrichtungen (EAEs) eine Behinderung erkennen und entsprechend handeln oder nicht. Die individuelle Situation und der Zufall pr\u00e4gen dabei nicht nur die Unterkunft und Versorgung gefl\u00fcchteter Menschen, sondern oft auch das Asylverfahren selbst.<\/p>\n<p>Wie genau die Identifizierung einer besonderen Schutzbed\u00fcrftigkeit stattfinden kann, wird derzeit von verschiedenen zivilgesellschaftlichen Organisationen diskutiert. Einige Bundesl\u00e4nder (zum Beispiel Brandenburg) wenden eigene Verfahren an, ein systematisches Vorgehen aller Bundesl\u00e4nder gibt es aber nicht.<\/p>\n<p>Handicap International schl\u00e4gt das Fragenset der sogenannten <a href=\"https:\/\/www.washingtongroup-disability.com\/fileadmin\/uploads\/wg\/Documents\/Washington_Group_Questionnaire__3_-_WG_Short_Set_on_Functioning_-_Enhanced.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Washington Group Questions<\/a> zu einer ersten Identifizierung einer Behinderung vor. Zu diesem und weiteren Vorgehensweisen finden Sie <a href=\"https:\/\/crossroads-bis-2024.hi-deutschland-projekte.de\/crossroads\/capacity-building\/roadbox\/flucht-migration-asylverfahren-erstaufnahme-sammelunterkuenfte-identifizierung\/erstaufnahme-einrichtungen-und-identifizierung-von-schutzbedurftigen\/#eae\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a> weitere Informationen.<\/p>\n\n<h3>2. Welche Daten gibt es zu gefl\u00fcchteten Menschen mit Behinderung in Deutschland?<\/h3>\n<p>Da in Deutschland keine systematische Erfassung des Merkmals \u201eBehinderung&#8221; bei gefl\u00fcchteten Menschen erfolgt, gibt es keine repr\u00e4sentativen Daten. Auf eine Anfrage im Jahr 2016 hin verneinte die Bundesregierung, dass das Merkmal \u201eBehinderung&#8221; bei gefl\u00fcchteten Menschen erhoben werden solle.<\/p>\n<p>Sch\u00e4tzungen wie die im zweiten <a href=\"https:\/\/www.bundesregierung.de\/resource\/blob\/976072\/480512\/6b249c2a22eb36f7a1ffb1f2029543b9\/2017-01-18-teilhabebericht-2016-data.pdf?download=1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Teilhabebericht<\/a> der Bundesregierung aus dem Jahr 2016 gehen davon aus, dass 10 bis 15 Prozent aller Gefl\u00fcchteten Menschen<\/p>\n<ul>\n<li>mit Behinderung,<\/li>\n<li>chronischen Erkrankungen und<\/li>\n<li>kognitiven Einschr\u00e4nkungen<\/li>\n<\/ul>\n<p>sind. Man kann allerdings davon ausgehen, dass diese Zahl tendenziell h\u00f6her ist, da in Kriegs- und Krisengebieten Verletzungen und chronische Erkrankungen h\u00e4ufiger unbehandelt bleiben und zu Behinderungen f\u00fchren.<\/p>\n<p>Diese Zahl enth\u00e4lt auch nicht die Anzahl der Menschen, die durch Kriege oder andere Ereignisse traumatisiert wurden. Laut einer Studie des Bayerischen Staatsministeriums und der LMU M\u00fcnchen liegt die Traumatisierungsrate unter erwachsenen Gefl\u00fcchteten bei rund 30 Prozent. Welche Schwere der Traumatisierung als Behinderung einzustufen ist, ist dabei unklar.<\/p>\n<p>Traumatisierte Gefl\u00fcchtete und Folteropfer bekommen in psychosozialen <a href=\"http:\/\/www.baff-zentren.org\/psychosoziale-zentren\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Zentren<\/a> professionelle Hilfe. Zurzeit gibt es in Deutschland 44 dieser Zentren. Die Versorgungslage liegt hier aber unter dem Durchschnitt f\u00fcr nicht gefl\u00fcchtete Menschen: Die Bundesweite Arbeitsgemeinschaft der Psychosozialen Zentren f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge und Folteropfer (BAfF) weist darauf hin, dass die psychosozialen Zentren und ihre Kooperationspartner jedes Jahr nur rund sechs Prozent des potenziellen Versorgungsbedarfs abdecken k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Hauptherkunftsl\u00e4nder gefl\u00fcchteter Menschen mit Behinderung waren laut einer nichtrepr\u00e4sentativen Bedarfsanalyse von Handicap International aus dem Jahr 2017\/18:<\/p>\n<ul>\n<li>Syrien<\/li>\n<li>Irak<\/li>\n<li>T\u00fcrkei<\/li>\n<li>Afghanistan<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das entspricht den generellen Hauptherkunftsl\u00e4ndern. Auch die Altersstruktur und die Geschlechterverteilung scheinen der gefl\u00fcchteter Menschen ohne Behinderung \u00e4hnlich zu sein.<\/p>\n<p>Gefl\u00fcchtete Menschen mit Behinderung sind von allen Formen von Behinderung betroffen, von physischen, kognitiven, psychischen und Sinnesbeeintr\u00e4chtigungen. Der mangelnde Zugang zu Rehabilitation, Versorgung und Unterst\u00fctzung in den Herkunfts- und Transitl\u00e4ndern spielt f\u00fcr die Flucht nach Deutschland in vielen F\u00e4llen eine gro\u00dfe Rolle.<\/p>\n\n<h3>3. Wie steht es um die materielle Versorgung und die Teilhabe gefl\u00fcchteter Menschen mit Behinderung in Deutschland?<\/h3>\n<p>Noch ist die Versorgung Gefl\u00fcchteter mit Behinderung in Deutschland mangelhaft. Daraus entstehen Versorgungsl\u00fccken und strukturelle Defizite. Sie bestimmen die Lebenssituation und Versorgungslage gefl\u00fcchteter Menschen mit Behinderung.<\/p>\n<p>Unter Berufung auf das Asylbewerberleistungsgesetzes (AsylbLG<a href=\"https:\/\/crossroads-bis-2024.hi-deutschland-projekte.de\/crossroads\/capacity-building\/roadbox\/flucht-migration-asylverfahren-erstaufnahme-sammelunterkuenfte-identifizierung\/flucht-nach-deutschland\/#id=m1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">)<\/a> verweigern Beh\u00f6rden zum Teil Hilfsmittel oder Therapien &#8211; und legen das Gesetz zuungunsten der Betroffenen aus. Au\u00dferdem sind viele EAEs nicht oder nur bedingt <a href=\"https:\/\/crossroads-bis-2024.hi-deutschland-projekte.de\/crossroads\/capacity-building\/roadbox\/flucht-migration-asylverfahren-erstaufnahme-sammelunterkuenfte-identifizierung\/erstaufnahme-einrichtungen-und-identifizierung-von-schutzbedurftigen\/#eae\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">barrierefrei.<\/a><\/p>\n<p>Die Defizite bei der Erstaufnahme setzen sich bei der Weiterverteilung auf die Kommunen fort, das schr\u00e4nkt Integrationsperspektiven gefl\u00fcchteter Menschen mit Behinderung zus\u00e4tzlich ein. Oft wissen die Kommunen nichts von einer Behinderung, wenn sie Personen aus der EAE zugewiesen bekommen &#8211; selbst dann, wenn sie in einer EAE erkannt wurde &#8211; und dementsprechend finden Hilfeleistungen nur mit Verz\u00f6gerung statt.<\/p>\n<p>Der Zugang zu bedarfsgerechter Unterst\u00fctzung ist durch<\/p>\n<ul>\n<li>die Restriktionen des AsylbLG,<\/li>\n<li>die mangelnde Nutzung seiner Spielr\u00e4ume (\u00a7 4 und \u00a76)<\/li>\n<li>und die l\u00fcckenhafte Umsetzung der <a href=\"https:\/\/eur-lex.europa.eu\/LexUriServ\/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2013:180:0096:0116:DE:PDF\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">EU-Aufnahmerichtlinie 2013\/33<\/a> (legt Normen f\u00fcr die Aufnahme, Versorgung und Unterbringung Gefl\u00fcchteter w\u00e4hrend des Asylverfahrens in Deutschland fest)<\/li>\n<\/ul>\n<p>erschwert.<\/p>\n<p>In Art. 19.2 der EU-Aufnahmerichtlinie hei\u00dft es: \u201eDie Mitgliedsstaaten gew\u00e4hren Antragsstellern mit besonderen Bed\u00fcrfnissen bei der Aufnahme die erforderliche medizinische oder sonstige Hilfe, einschlie\u00dflich erforderlichenfalls einer geeigneten psychologischen Betreuung.&#8221;<\/p>\n<p>Das Problembewusstsein f\u00fcr Versorgungsl\u00fccken und strukturelle Defizite hat sich in den vergangenen Jahren jedoch verbessert &#8211; in den Jahren 2015\/16 war das Bewusstsein f\u00fcr Gefl\u00fcchtete mit Behinderung kaum vorhanden: Das zeigt sich daran, dass es in dieser Zeit deutlich weniger auf die Schnittstelle spezialisierte Beratungsstellen sowie ein geringeres Wissen zu den spezifischen Bedarfen von gefl\u00fcchteten Menschen mit Behinderung gab.<\/p>\n<p>Die mangelhafte Versorgung betrifft aber nicht nur materielle Leistungen: Auch die gesellschaftliche und politische Teilhabe gefl\u00fcchteter Menschen mit Behinderung ist drastisch eingeschr\u00e4nkt. Das Asylverfahren und dessen Ausgang steht f\u00fcr die Gefl\u00fcchteten anfangs im Vordergrund. Nach der Anerkennung des Asylgesuchs ist die Teilhabe der Betroffenen oft wegen ihres eingeschr\u00e4nkten Zugangs zum Hilfesystem erschwert.<\/p>\n<p>Die Merkmale \u201eBehinderung&#8221; und \u201eMigrationshintergrund&#8221; sind bereits f\u00fcr sich genommen Merkmale, die statistisch gesehen besonders h\u00e4ufig zu Diskriminierung f\u00fchren. Aus dieser intersektionalen Verschr\u00e4nkung ergeben sich Benachteiligungen, die zu doppelter Diskriminierung in Form von Exklusion in sozialer und finanzieller Hinsicht f\u00fchren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Gefl\u00fcchtete Menschen mit Behinderung haben eine sehr schwache Lobby. Deshalb bekommen sie nur wenig Aufmerksamkeit und demzufolge gibt es wenig spezialisierte Angebote an der Schnittstelle von Flucht und Behinderung. Im Vergleich zu anderen besonders schutzbed\u00fcrftigen gefl\u00fcchteten Menschen (zum Beispiel unbegleitete minderj\u00e4hrige Menschen, LGBTQ*) haben Gefl\u00fcchtete mit Behinderung bis heute keine wirksame Interessenvertretung auf Bundes- und Landesebene.<\/p>\n\n<h3>4. Warum gibt es Versorgungsl\u00fccken f\u00fcr gefl\u00fcchtete Menschen mit Behinderung in Deutschland?<\/h3>\n<p>Daf\u00fcr gibt es vor allem vier Gr\u00fcnde:<\/p>\n<ol>\n<li>mangelnde systematische Kongruenz der Rechtsnormen<\/li>\n<li>erschwerte angemessene Bedarfsplanung<\/li>\n<li>unzureichende interkulturelle \u00d6ffnung und Kommunikation<\/li>\n<li>Informationsdefizite bei gefl\u00fcchteten Menschen mit Behinderung<\/li>\n<\/ol>\n<h4>Grund 1: Mangelnde systematische Kongruenz der Rechtsnormen<\/h4>\n<p>Bis zur positiven Entscheidung \u00fcber ein Asylverfahren bekommen gefl\u00fcchtete Menschen mit Behinderung Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG). Das AsylbLG ist ein Sondergesetz mit ordnungspolitischem Charakter, dass keine systematischen Bez\u00fcge und Analogien zum deutschen Sozialrecht aufweist. Dies bedeutet zwar im Umkehrschluss nicht, dass Gefl\u00fcchtete mit Behinderung ihren Anspruch auf behinderungsspezifische Unterst\u00fctzungsleistungen nicht geltend machen k\u00f6nnen, aber selbst f\u00fcr Fachkr\u00e4fte ist es schwierig, AsylbLG und Aufenthaltsrecht sowie die Leistungsanspr\u00fcche f\u00fcr Menschen mit Behinderung zu durchschauen.<\/p>\n<p>Um Gefl\u00fcchtete mit Behinderung, die Leistungen nach dem AsylbLG erhalten, effektiv bei der Durchsetzung zu unterst\u00fctzen, ben\u00f6tigen Fachkr\u00e4fte spezifische Kenntnisse \u00fcber<\/p>\n<ul>\n<li>die Asylgesetzgebung,<\/li>\n<li>das Ausl\u00e4nderrecht sowie<\/li>\n<li>das Sozialrecht f\u00fcr Menschen mit Behinderung (Bundesteilhabegesetz).<\/li>\n<\/ul>\n<p>Dies hei\u00dft, dass einerseits Beratungsstrukturen f\u00fcr gefl\u00fcchtete Menschen und andererseits f\u00fcr Menschen mit Behinderung kooperieren m\u00fcssen. Solche Kooperationsstrukturen an der Schnittstelle von Flucht und Behinderung sind jedoch nicht ausreichend vorhanden. Vielerorts fehlt es nach wie vor an der systematischen Vernetzung und dem Austausch zwischen diesen beiden S\u00e4ulen des Wohlfahrtsstaats. Auf Behinderten- und Asylrecht spezialisierte Beratungsstellen <a href=\"https:\/\/crossroads-bis-2024.hi-deutschland-projekte.de\/crossroads\/capacity-building\/roadbox\/lokale-beratungsangebote-zu-flucht-und-behinderung-karte\/#id=m2\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">gibt es nur an einigen Orten.<\/a><\/p>\n\t\t\t<figure role=\"figure\" aria-label=\"Grafik, die  die Beziehung zwischen Asylrecht und Behindertenrecht zeigt. Dabei handelt es sich um eine sogenannte Vers\u00e4ulung, das hei\u00dft, beide Bereiche stehen miteinander im Austausch, sind aber nicht inhaltlich miteinander vernetzt. \">\n\t\t\t\t<a href=\"https:\/\/crossroads-bis-2024.hi-deutschland-projekte.de\/crossroads\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/09\/hi-toolbox_btgh-migrationspaket.jpg\">\t\t\t\t<img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/crossroads-bis-2024.hi-deutschland-projekte.de\/crossroads\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/09\/hi-toolbox_btgh-migrationspaket.jpg\" alt=\"Grafik, die die Beziehung zwischen Asylrecht und Behindertenrecht zeigt.  \" srcset=\"https:\/\/crossroads-bis-2024.hi-deutschland-projekte.de\/crossroads\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/09\/hi-toolbox_btgh-migrationspaket.jpg 3731w, https:\/\/crossroads-bis-2024.hi-deutschland-projekte.de\/crossroads\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/09\/hi-toolbox_btgh-migrationspaket-300x161.jpg 300w, https:\/\/crossroads-bis-2024.hi-deutschland-projekte.de\/crossroads\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/09\/hi-toolbox_btgh-migrationspaket-1024x549.jpg 1024w, https:\/\/crossroads-bis-2024.hi-deutschland-projekte.de\/crossroads\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/09\/hi-toolbox_btgh-migrationspaket-768x412.jpg 768w, https:\/\/crossroads-bis-2024.hi-deutschland-projekte.de\/crossroads\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/09\/hi-toolbox_btgh-migrationspaket-1536x823.jpg 1536w\" width=\"3731\" height=\"2000\"\/>\n\t\t\t\t<\/a>\t\t\t\t\t\t\t\t<p>&copy; Janosch Wojcik<\/p>\n\t\t\t<figcaption>Grafik, die  die Beziehung zwischen Asylrecht und Behindertenrecht zeigt. Dabei handelt es sich um eine sogenannte Vers\u00e4ulung, das hei\u00dft, beide Bereiche stehen miteinander im Austausch, sind aber nicht inhaltlich miteinander vernetzt. <\/figcaption>\n\t\t<\/figure>\n\t<p>Die Folgen dieser Problematik zeigen sich an solchen Fragen:<\/p>\n<ul>\n<li>Wer ist in welchem Bundesland f\u00fcr welche Leistung zust\u00e4ndig? Ist es das Bundesamt f\u00fcr Migration und Fl\u00fcchtlinge (BAMF), die Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rde, die Kommune, der \u00fcber\u00f6rtliche Sozialhilfetr\u00e4ger? Ist es das Jobcenter oder die Arbeitsagentur, die Rehatr\u00e4ger?<\/li>\n<li>Wer bietet an der Schnittstelle von Flucht und Behinderung eine kompetente Beratung an? Die Angebote der Teilhabeberatung,\u00a0<a href=\"https:\/\/www.teilhabeberatung.de\/node\/34\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">zum Beispiel die Erg\u00e4nzende unabh\u00e4ngige Teilhabeberatung (EUTB)<\/a>, die Angebote der Migrationsberatung, die Fl\u00fcchtlingsr\u00e4te, Angebote anderer Tr\u00e4ger?<\/li>\n<li>Wer \u00fcbernimmt die Asylverfahrensberatung? Kennen sich diese Stellen mit dem Thema \u201eBehinderung&#8221; aus?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Antworten auf diese Fragen finden Sie thematisch sortiert hier.<\/p>\n<h4>Grund 2: Erschwerte angemessene Bedarfsplanung<\/h4>\n<p>Ein weiterer Grund f\u00fcr die Versorgungsl\u00fccken liegt in der angemessenen Bedarfsplanung. Da es keine repr\u00e4sentativen Daten zu gefl\u00fcchteten Menschen mit Behinderung gibt, ist auch nicht bekannt, wie viele Ressourcen entsprechende <a href=\"https:\/\/crossroads-bis-2024.hi-deutschland-projekte.de\/crossroads\/capacity-building\/roadbox\/leitfaden-zur-beratung-von-gefluechteten-menschen-mit-behinderung-nachschlagewerk-von-gagweiser\/#c5\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Beratungsstellen<\/a> f\u00fcr die Versorgung gefl\u00fcchteter Menschen mit Behinderung einplanen m\u00fcssen. Um ma\u00dfgeschneiderte Diagnosen oder Unterbringungsm\u00f6glichkeiten zu finden, braucht es verl\u00e4ssliche Daten &#8211; denn Menschen mit Behinderungen sind keine homogene Gruppe.<\/p>\n<p>So finden Anh\u00f6rungen im Asylverfahren zum Beispiel immer noch ohne die notwendige Assistenz statt. Viele EAEs f\u00fcr gefl\u00fcchtete Menschen sind nicht oder nur bedingt barrierefrei. Barrierefreiheit bedeutet eben nicht nur einen Zugang f\u00fcr Rollstuhlfahrer*innen, auch sollten zum Beispiel h\u00f6r- oder sehbehinderte Menschen ber\u00fccksichtigt werden.<\/p>\n<p>Viele EAEs sind zudem schwer erreichbar, der \u00d6PNV zu den Einrichtungen ist oft ebenfalls schlecht ausgebaut und nicht barrierefrei. Diese Umst\u00e4nde setzen sich h\u00e4ufig auch in den Kommunen fort, auch hier ist die Barrierefreiheit der Unterk\u00fcnfte f\u00fcr Gefl\u00fcchtete oft mangelhaft.<\/p>\n<h4>Grund 3: Unzureichende interkulturelle \u00d6ffnung und Kommunikation<\/h4>\n<p>Der Zugang zum System der Teilhabe ist f\u00fcr Menschen mit Migrationshintergrund generell erschwert, das belegen zahlreiche Studien. Eine verst\u00e4rkte interkulturelle \u00d6ffnung von Einrichtungen der Behindertenhilfe ist nach wie vor dringend notwendig.<\/p>\n<p>Zum Thema \u201eBehinderung&#8221; bestehen unterschiedliche kulturelle Rezeptionen. Nicht jede in Deutschland als Behinderung identifizierte Behinderung ist im Herkunftsland eine Behinderung.<\/p>\n<p>Zudem tendieren manchmal auch Fachkr\u00e4fte dazu, Zugangsbarrieren gefl\u00fcchteter Menschen mit Behinderung auf kulturelle oder religi\u00f6se Vorbehalte zu reduzieren. Sie unternehmen zu wenig, um den Betroffenen das deutsche Unterst\u00fctzungssystem mit seinen spezifischen kulturellen Normen und Werten zu erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Das bundesweite Beratungsangebot der erg\u00e4nzenden unabh\u00e4ngigen Teilhabeberatung (EUTB) setzt sich bisher nur an wenigen Standorten mit der Schnittstelle von Flucht und Behinderung auseinander.<\/p>\n<p>An der genannten Schnittstelle gibt daher nur wenige spezialisierte Angebote. Sie sind gr\u00f6\u00dftenteils projektfinanziert, was den Aufbau nachhaltiger Strukturen zus\u00e4tzlich erschwert.<\/p>\n<p>Ein weiterer Grund f\u00fcr die Versorgungsl\u00fccken liegt im Zugang zu angemessener Kommunikation: Schon bei der Anh\u00f6rung im Asylverfahren ist pr\u00e4zise Kommunikation wichtig, oft werden die Bed\u00fcrfnisse der Betroffenen mit Behinderung nicht oder zu sp\u00e4t erkannt, was Auswirkungen auf das Asylverfahren und dessen Erfolg haben kann.<\/p>\n<p>Ein <a href=\"https:\/\/crossroads-bis-2024.hi-deutschland-projekte.de\/crossroads\/capacity-building\/roadbox\/spracherwerb-und-sprachmittlung-fuer-gefluechtete-menschen\/spracherwerb\/#ku\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Angebot<\/a> von Integrationskursen f\u00fcr seh- und h\u00f6rbehinderte Menschen ist nur an wenigen Standorten in Deutschland vorhanden. F\u00fcr Menschen mit kognitiven Einschr\u00e4nkungen (Lernbehinderungen) gibt es bis heute kein Angebot. Dies bedeutet, dass auch Angeh\u00f6rige der von der Behinderung betroffenen Person nicht an einem Kurs teilnehmen k\u00f6nnen, weil sie mit der Betreuung besch\u00e4ftigt sind.<\/p>\n<h4>Grund 4: Informationsdefizite bei gefl\u00fcchteten Menschen mit Behinderung<\/h4>\n<p>Fehlende mehrsprachige Angebote und Informationsmaterialien sind f\u00fcr die Gruppe der gefl\u00fcchteten Menschen mit Behinderung eine besonders hohe Barriere f\u00fcr angemessene Versorgungsleistungen. Aufgrund dessen kennen gefl\u00fcchtete Menschen mit Behinderung ihre Rechte meist nicht.<\/p>\n<p>Fachkr\u00e4fte sollten mit gefl\u00fcchteten Menschen mit Behinderung folgende Fragen kl\u00e4ren:<\/p>\n<ul>\n<li>Habe ich eine Beeintr\u00e4chtigung, die mich zu einer Hilfeleistung berechtigt?<\/li>\n<li>Was f\u00fcr M\u00f6glichkeiten der Hilfe gibt es?<\/li>\n<li>Wie funktioniert das System der Teilhabeleistungen in Deutschland?<\/li>\n<li>Wie kann ich mich selbst beteiligen?<\/li>\n<li>Was bedeuten Selbstbestimmung und Empowerment?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Oft f\u00fcrchten Gefl\u00fcchtete auch unberechtigterweise, dass eine Behinderung und die Inanspruchnahme von Leistungen sich negativ auf ihr Asylverfahren auswirkt.<\/p>\n\n<h3>5. Was m\u00fcssen wir tun, um diese Versorgungsl\u00fccken zu schlie\u00dfen?<\/h3>\n<h4>a) Sensibilisierung der Fachkr\u00e4fte an der Schnittstelle von Flucht und Behinderung<\/h4>\n<p>Es gibt viele M\u00f6glichkeiten, die bereits vorhandenen Erkenntnisse \u00fcber die Situation von Menschen mit Behinderungen und Fluchthintergrund, ihre Exklusionsrisiken, die Barrieren zu verschiedenen Systemen &#8211; sei es zum Beispiel das Bildungssystem, das Hilfesystem oder das Gesundheitssystem &#8211; niederschwellig sichtbar und zug\u00e4nglich zu machen. Eine davon ist die Roadbox von Handicap International.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus m\u00fcssen alle Akteure, die an der Schnittstelle von Flucht und Behinderung t\u00e4tig sind, sensibilisiert und geschult werden. Auch die Leitungsebenen in den verschiedenen Institutionen m\u00fcssen sich mit dem Thema \u201eGefl\u00fcchtete Menschen mit Behinderung&#8221; auseinandersetzen, dies gilt auch f\u00fcr die vielen ehrenamtlich t\u00e4tigen Menschen.<\/p>\n<h4>b) Aufstockung der Leistungen gefl\u00fcchteter Menschen mit Behinderung<\/h4>\n<p>Versorgungs- und Betreuungsprogramme m\u00fcssen von Anfang an die Rechte und Bed\u00fcrfnisse von Menschen mit Behinderungen mitdenken. Folgendes ist daf\u00fcr n\u00f6tig:<\/p>\n<p><strong>Rechtlich:<\/strong><\/p>\n<p>Seit 2015 ist Deutschland dazu verpflichtet, die EU-Aufnahmerichtlinie 2013\/33 in nationales Recht umzusetzen &#8211; das ist aber noch nicht ausreichend geschehen. Deshalb muss die EU-Richtlinie 2012\/13\/ umgesetzt werden und ein verbindliches System zur Identifizierung einer Behinderung bei der Erstaufnahme definiert und angewandt werden. Nur mit dem Erkennen einer Behinderung zu Beginn des Aufenthalts in Deutschland k\u00f6nnen weitere Ma\u00dfnahmen eingeleitet werden, um die Rechte der betroffenen Menschen zu gew\u00e4hrleisten.<\/p>\n<p>Verpflichtungen der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) f\u00fcr gefl\u00fcchtete Menschen mit Behinderung in Deutschland wurden aufgrund des Fehlens einer entsprechenden Lobby bisher ebenso wenig umgesetzt wie weitere Verpflichtungen, die aus h\u00f6herrangigen oder auch aus deutschem Recht resultieren. Zu nennen sind hier die UN-Kinderrechtskonvention, die bereits erw\u00e4hnte EU-Aufnahmerichtlinie 2013\/33\/EU, das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) sowie das Grundgesetz. Auch diese Missst\u00e4nde m\u00fcssen seitens der Gesetzgebung behoben werden.<\/p>\n<ul>\n<li>Der Zugang zur Eingliederungshilfe (SGB XII, BTHG), zur Gesundheitskarte (SGB IX) und zum Schwerbehindertenausweis (AsylVfG \u00a7 55) ist ebenfalls erschwert und muss vereinfacht werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Finanziell:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Es muss Alternativen zu zeitlich befristeten Projektfinanzierungen geben<\/li>\n<li>Beratung von Gefl\u00fcchteten mit Behinderung bei den EUTB, dann aber auch dementsprechende F\u00f6rderung und Weiterbildung sowie mehrsprachiges Personal<\/li>\n<li>Finanzierung von Sprachmittlung und sonstigen Hilfsmitteln bei der Beratung<\/li>\n<li>Sozialraumorientierung und die notwendige Netzwerkarbeit an der Schnittstelle der Fl\u00fcchtlings- und der Behindertenhilfe m\u00fcssen initiiert und auch finanziert werden<\/li>\n<li>Zugang zu Bildung und Arbeit f\u00fcr Kinder, Jugendliche und Erwachsene<\/li>\n<li>Zugang zu Sprachlern-, Bildungs- und Besch\u00e4ftigungsangeboten f\u00fcr Menschen mit kognitiver Beeintr\u00e4chtigung (jenseits des Kindesalters)<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Ideell:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Einsatz f\u00fcr die Partizipation von Selbstvertreter*innen und Empowerment der marginalisierten Gruppe gefl\u00fcchteter Menschen mit Behinderung<\/li>\n<li>Abfrage der Ressourcen zur Inklusion in der Beratung, auch Erfahrungen der Betroffenen aus jeweiligen den Herkunftsl\u00e4ndern k\u00f6nnen dazu als Ideengeber dienen<\/li>\n<li>\u00d6ffnung der bereits bestehenden Selbsthilfeorganisationen f\u00fcr Gefl\u00fcchtete mit Behinderung<\/li>\n<li>Hilfe zur Selbsthilfe<\/li>\n<li>\u00d6ffnung der Strukturen f\u00fcr ehrenamtliches Engagement Gefl\u00fcchteter mit Behinderung<\/li>\n<\/ul>\n<h2>\n\t\tWie gefl\u00fcchtete Menschen mit Behinderung ihre Ankunft und das deutsche Hilfesystem erleben: ein Phasenmodell \n\t<\/h2>\n\t<p>Von Matthias Otten (Technische Hochschule K\u00f6ln)<\/p>\n\t<p>In der Sozialen Arbeit gibt es zahlreiche Stufen- und Phasenmodelle. Sie sollen Abfolgen wichtiger Ver\u00e4nderungen und typischer Erlebensweisen in komplexen Lebens- und Bew\u00e4ltigungsprozessen anschaulich darstellen. Die Stufen- oder Phasenmetapher macht dabei deutlich, dass es auf- oder abw\u00e4rts gehen kann. Die Aufw\u00e4rtsbewegung weist meist auf einen positiven Prozessverlauf hin, die Abw\u00e4rtsbewegung eher auf eine negative Entwicklung.<\/p>\n<p>Das hier vorgestellte Phasenmodell zum Inklusionserleben im Kontext von Flucht und Behinderung ist im Rahmen einer dreij\u00e4hrigen wissenschaftlichen Begleitforschung<span id='easy-footnote-1-1281' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/crossroads-bis-2024.hi-deutschland-projekte.de\/crossroads\/capacity-building\/roadbox\/grundlegende-informationen-zur-lebenssituation-von-gefluchteten-menschen-mit-behinderung\/#easy-footnote-bottom-1-1281' title='Farrokhzad, Schahrzad\/Otten, Matthias\/Zuhr, Anna\/Ertik, Serpil (2018). Netzwerk fu\u0308r Flu\u0308chtlinge mit Behinderung Ko\u0308ln, Abschlussbericht zur wissenschaftlichen Begleitung und Evaluation des Modellprojekts. K\u00f6ln.'><sup>1<\/sup><\/a><\/span> zu einem lokalen Netzwerk f\u00fcr die Beratung und Unterst\u00fctzung gefl\u00fcchteter Menschen mit Behinderung in K\u00f6ln entwickelt worden. Dabei wurde erkundet, welchen Unterst\u00fctzungs- und Beratungsbedarf gefl\u00fcchtete Menschen mit Behinderung nach der Ankunft und im weiteren Verlauf haben.<\/p>\n<h3>\n\t\tPhase 1: Runterkommen\n\t<\/h3>\n\t<p>Die Philosophin Hannah Arendt formulierte 1943 in ihrem ber\u00fchmten Text \u201eWir Fl\u00fcchtlinge&#8221; (We Refugees)<span id='easy-footnote-2-1281' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/crossroads-bis-2024.hi-deutschland-projekte.de\/crossroads\/capacity-building\/roadbox\/grundlegende-informationen-zur-lebenssituation-von-gefluchteten-menschen-mit-behinderung\/#easy-footnote-bottom-2-1281' title='Arendt, Hannah (2016). Wir Fl\u00fcchtlinge. Hamburg: reclam (dt. Erstfassung 1986). Arendt ist selbst 1933 aus Deutschland vor dem Nationalsozialismus \u00fcber Frankreich und Portugal in die USA geflohen.'><sup>2<\/sup><\/a><\/span> den folgenden Satz f\u00fcr die grunds\u00e4tzliche Erfahrung von pr\u00e4genden Verlusten:<\/p>\n<p>\u201eWir haben unsere Sprache verloren und mit ihr die Nat\u00fcrlichkeit unserer Reaktionen, die Einfachheit unserer Geb\u00e4rden und den ungezwungenen Ausdruck unserer Gef\u00fchle. Unsere Identit\u00e4t wechselt so h\u00e4ufig, dass keiner herausfinden kann, wer wir eigentlich sind. [&#8230;] und das bedeutet den Zusammenbruch unserer privaten Welt.&#8221;<\/p>\n\t<p>Die Ankunft in einem sogenannten sicheren Aufnahmeland ist auch heute f\u00fcr Schutz- und Asylsuchende zumindest am Anfang selten mit der subjektiven Erfahrung von echter Sicherheit verbunden.<span id='easy-footnote-3-1281' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/crossroads-bis-2024.hi-deutschland-projekte.de\/crossroads\/capacity-building\/roadbox\/grundlegende-informationen-zur-lebenssituation-von-gefluchteten-menschen-mit-behinderung\/#easy-footnote-bottom-3-1281' title='Resch, Christine (2017). Ist Deutschland ein sicheres Aufnahmeland? U\u0308berlegungen zur Norm der Integration, der (fehlenden) sozialen Infrastruktur dafu\u0308r und populistischer Politik. Widerspru\u0308che: Zeitschrift fu\u0308r sozialistische Politik im Bildungs-, Gesundheits- und Sozialbereich, 37(144), 99-112. &lt;a href=&quot;https:\/\/nbn-resolving.org\/urn:nbn:de:0168-ssoar-69263-1&quot; target=&quot;_blank&quot; rel=&quot;noopener&quot;&gt;https:\/\/nbn-resolving.org\/urn:nbn:de:0168-ssoar-69263-1&lt;\/a&gt;.'><sup>3<\/sup><\/a><\/span> Nach den Belastungen unterwegs auf der Fluchtroute folgen im Aufnahmeland gleich die n\u00e4chsten Herausforderungen. Der Weg f\u00fcr Asylsuchende zur legalisierten Einreise und erst recht bei einer illegalisierten Ankunft in einem anderen Land ist mit Stress und existenzieller Ungewissheit verbunden.<span id='easy-footnote-4-1281' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/crossroads-bis-2024.hi-deutschland-projekte.de\/crossroads\/capacity-building\/roadbox\/grundlegende-informationen-zur-lebenssituation-von-gefluchteten-menschen-mit-behinderung\/#easy-footnote-bottom-4-1281' title='Buckel, Sonja (2013). Welcome to Europe &amp;#8211; Die Grenzen des europ\u00e4ischen Migrationsrechts. Juridische Auseinandersetzungen um das \u201eStaatsprojekt Europa&amp;#8221;. Bielefeld: transcript.'><sup>4<\/sup><\/a><\/span> Das gilt gerade auch f\u00fcr die Erfahrungen vieler Gefl\u00fcchteter in Deutschland mit seinem restriktiven Asylregime.<span id='easy-footnote-5-1281' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/crossroads-bis-2024.hi-deutschland-projekte.de\/crossroads\/capacity-building\/roadbox\/grundlegende-informationen-zur-lebenssituation-von-gefluchteten-menschen-mit-behinderung\/#easy-footnote-bottom-5-1281' title='Behnam Shad, Klaus (2020). Die emotionale Erfahrung des Asyls. Wiesbaden: Springer VS.'><sup>5<\/sup><\/a><\/span><\/p>\n<p>Eine Studie des Sachverst\u00e4ndigenrates f\u00fcr Integration und Migration (SVR) aus dem Jahr 2018 weist darauf hin, dass die hohen Mitwirkungs- und Auskunftserwartungen seitens der Asylbeh\u00f6rden und nachgelagerter Einrichtungen<span id='easy-footnote-6-1281' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/crossroads-bis-2024.hi-deutschland-projekte.de\/crossroads\/capacity-building\/roadbox\/grundlegende-informationen-zur-lebenssituation-von-gefluchteten-menschen-mit-behinderung\/#easy-footnote-bottom-6-1281' title='Das sind zum Beispiel Gesundheits\u00e4mter, Sozial- und Schulbeh\u00f6rden, Wohnungs\u00e4mter und andere mehr.'><sup>6<\/sup><\/a><\/span> viele Gefl\u00fcchtete bei der Ankunft inhaltlich, sprachlich und emotional \u00fcberfordern.<span id='easy-footnote-7-1281' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/crossroads-bis-2024.hi-deutschland-projekte.de\/crossroads\/capacity-building\/roadbox\/grundlegende-informationen-zur-lebenssituation-von-gefluchteten-menschen-mit-behinderung\/#easy-footnote-bottom-7-1281' title='SVR Integration und Migration (2018). Viele Fragen, zu viele Antworten? Die Transparenz des Asyl- und Aufnahmesystems fu\u0308r Flu\u0308chtlinge. Policy Brief 2018-3 des Forschungsbereichs beim Sachverst\u00e4ndigenrat deutscher Stiftungen fu\u0308r Integration und Migration (SVR) und der Robert Bosch Stiftung (&lt;a href=&quot;https:\/\/www.svr-migration.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/SVR-FB_Systemtransparenz.pdf&quot; target=&quot;_blank&quot; rel=&quot;noopener&quot;&gt;https:\/\/www.svr-migration.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/SVR-FB_Systemtransparenz.pdf&lt;\/a&gt; (abgerufen am 13.02.2021)).'><sup>7<\/sup><\/a><\/span><\/p>\n<p>Die Erwartung von Beh\u00f6rden, am Gelingen eines Asylverfahrens oder der sonstigen Befolgung vielf\u00e4ltiger Ordnungsregeln aktiv mitzuwirken, steht in einer deutlichen Spannung zur aktuellen subjektiven Lebensverfassung. Bei den meisten Gefl\u00fcchteten dominiert erst einmal massive Ersch\u00f6pfung infolge der Strapazen und Belastungen der mitunter langen Fluchtwege. Sofern wichtige Angeh\u00f6rige und Freund*innen nicht den gleichen Weg hatten, realisieren sie mit der Ankunft nochmals in besonderer Deutlichkeit die (vorl\u00e4ufige) Trennung von wichtigen Bezugspersonen. In diesem Moment m\u00f6chten die betroffenen Menschen erst einmal von diesem Stresslevel runterkommen und k\u00f6nnen sich schwer auf die komplexen Prozeduren und oftmals auch die emotional sehr invasiven Fragen<span id='easy-footnote-8-1281' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/crossroads-bis-2024.hi-deutschland-projekte.de\/crossroads\/capacity-building\/roadbox\/grundlegende-informationen-zur-lebenssituation-von-gefluchteten-menschen-mit-behinderung\/#easy-footnote-bottom-8-1281' title='Ein Beispiel eines Fragenkatalogs f\u00fcr Anh\u00f6rungen zum Asylantrag gibt die Arbeitshilfe des Fl\u00fcchtlingsrates Th\u00fcringen: &lt;a href=&quot;https:\/\/www.fluechtlingsrat-thr.de\/sites\/fluechtlingsrat\/files\/pdf\/Beratungshilfe\/BAMF%20Fragen.pdf&quot; target=&quot;_blank&quot; rel=&quot;noopener&quot;&gt;https:\/\/www.fluechtlingsrat-thr.de\/sites\/fluechtlingsrat\/files\/pdf\/Beratungshilfe\/BAMF%20Fragen.pdf&lt;\/a&gt; (abgerufen am 13.02.2021).'><sup>8<\/sup><\/a><\/span> eines geregelten Asylverfahrens einlassen.<\/p>\n<p>In einem Portrait in der ZEIT vom 17.08.2016<span id='easy-footnote-9-1281' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/crossroads-bis-2024.hi-deutschland-projekte.de\/crossroads\/capacity-building\/roadbox\/grundlegende-informationen-zur-lebenssituation-von-gefluchteten-menschen-mit-behinderung\/#easy-footnote-bottom-9-1281' title='&lt;a href=&quot;https:\/\/www.zeit.de\/gesellschaft\/zeitgeschehen\/2016-08\/willkommenskultur-fluechtlinge-deutschland-muenchen-angela-merkel-fluechtlingspolitik\/komplettansicht&quot;&gt;https:\/\/www.zeit.de\/gesellschaft\/zeitgeschehen\/2016-08\/willkommenskultur-fluechtlinge-deutschland-muenchen-angela-merkel-fluechtlingspolitik\/komplettansicht&lt;\/a&gt; (abgerufen am 13.02.2021).'><sup>9<\/sup><\/a><\/span> wird diese Spannung anschaulich mit Erinnerungen an ein (exemplarisches) Erlebnis eines Syrers und seiner Familie unmittelbar nach Ankunft am Bahnhof M\u00fcnchen geschildert:<\/p>\n<p>\u201eAus Verzweiflung hielten sie ein Taxi an, sie wollten weg vom Bahnhof, einfach irgendwo hin. Aber der Taxifahrer erkl\u00e4rte ihnen, er d\u00fcrfe die kleine Talia nicht ohne einen Kindersitz transportieren. \u201aWir konnten vor Ersch\u00f6pfung nur noch lachen&#8217;, sagt Saied. \u201aHatte er wirklich nicht gesehen, wie m\u00fcde und ersch\u00f6pft wir waren?&#8217;<\/p>\n<p>Wie schwerwiegend krisenbedingte Ersch\u00f6pfungszust\u00e4nde sind, l\u00e4sst sich nicht pauschal sagen. Nicht alle Gefl\u00fcchteten sind traumatisiert. In der Fachliteratur wird deshalb davor gewarnt, Ersch\u00f6pfungszust\u00e4nde gleich schon mit einer Traumadiagnose zu pathologisieren<span id='easy-footnote-10-1281' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/crossroads-bis-2024.hi-deutschland-projekte.de\/crossroads\/capacity-building\/roadbox\/grundlegende-informationen-zur-lebenssituation-von-gefluchteten-menschen-mit-behinderung\/#easy-footnote-bottom-10-1281' title='Mlodoch, Karin (2017). Gewalt &amp;#8211; Flucht &amp;#8211; Trauma? Grundlagen und Kontroversen der psychologischen Traumaforschung. G\u00f6ttingen: Vandenhoeck&amp;amp;Ruprecht. Behnam-Shad, Klaus (2020). Die emotionale Erfahrung des Asyls. Wiesbaden: VS Springer.'><sup>10<\/sup><\/a><\/span>. Stattdessen wird in der (psycho-)therapeutischen Literatur eher von \u201epostmigratorischen Lebensschwierigkeiten&#8221; gesprochen:<\/p>\n<p>\u201eViele dieser Lebensschwierigkeiten erscheinen auf den ersten Blick nicht als existentielle Bedrohungen, ko\u0308nnen aber fu\u0308r Migranten und Migrantinnen nahezu un\u00fcberwindliche Hu\u0308rden bedeuten und sie nachhaltig verunsichern und erscho\u0308pfen. Rechtliche Einschra\u0308nkungen, Sprachbarrieren, Informationsdefizite, eingeschra\u0308nkter Zugang zu materiellen und sozialen Ressourcen ko\u0308nnen zu subjektiv enorm belastenden Alltagsproblemen werden, vor allem vor dem Hintergrund fru\u0308herer Bedrohungen.&#8221;<span id='easy-footnote-11-1281' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/crossroads-bis-2024.hi-deutschland-projekte.de\/crossroads\/capacity-building\/roadbox\/grundlegende-informationen-zur-lebenssituation-von-gefluchteten-menschen-mit-behinderung\/#easy-footnote-bottom-11-1281' title='Meier, Thomas\/Morina, Naser\/Schick, Matthis\/Schnyder, Ulrich (2019). Trauma &amp;#8211; Flucht &amp;#8211; Asyl: Schlussfolgerungen und Ausblick. In dies. (Hrsg.) Trauma &amp;#8211; Flucht &amp;#8211; Asyl. G\u00f6ttingen: Hogrefe, S. 502. '><sup>11<\/sup><\/a><\/span><\/p>\n<p>\u201ePostmigratorische Lebensschwierigkeiten&#8221; sind einerseits Resultat der Krisenerfahrungen, die zur Flucht gef\u00fchrt haben, aber nicht zuletzt auch Begleiterscheinung der stetigen Asylverfahrensanforderungen im Aufnahmeland, die auch als \u201eorganisierte Desintegration&#8221; bezeichnet werden.<span id='easy-footnote-12-1281' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/crossroads-bis-2024.hi-deutschland-projekte.de\/crossroads\/capacity-building\/roadbox\/grundlegende-informationen-zur-lebenssituation-von-gefluchteten-menschen-mit-behinderung\/#easy-footnote-bottom-12-1281' title='T\u00e4ubig, Vicki (2009). Totale Institution Asyl. Empirische Befunde zu allt\u00e4glichen Lebensf\u00fchrungen in der organisierten Desintegration. Weinheim: Juventa Verlag.'><sup>12<\/sup><\/a><\/span> Beratungsangebote in dieser ersten Phase sollten daher nicht die ohnehin schon gro\u00dfe Flut von Informationen erh\u00f6hen, sondern sich eher auf eine Unterst\u00fctzung bei der Kanalisierung und Priorisierung richten. Ein paar Beispiele dazu:<\/p>\n<ul>\n<li>Welche Fristen und Dokumente sind wirklich wichtig? Welche Dokumente lassen sich sp\u00e4ter nachreichen oder im Fall eines Verlusts ersetzen?<\/li>\n<li>Wer kann bei der sprachlichen und inhaltlichen \u00dcbersetzung unterst\u00fctzen? Mittlerweile gibt es \u00dcbersetzungshilfen und mehrsprachige Glossare, die in der Beratung helfen k\u00f6nnen, um die teils komplizierten Schreiben und Anforderungen zu \u00fcbersetzen und in ihrer Funktion f\u00fcr ein Anerkennungsverfahren zu erkl\u00e4ren; damit werden Anforderungen in ihrer eigentlichen Funktion zumindest verst\u00e4ndlicher, ohne gleich als Bedrohung und Druck zu wirken.<span id='easy-footnote-13-1281' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/crossroads-bis-2024.hi-deutschland-projekte.de\/crossroads\/capacity-building\/roadbox\/grundlegende-informationen-zur-lebenssituation-von-gefluchteten-menschen-mit-behinderung\/#easy-footnote-bottom-13-1281' title='Siehe die \u201eAnkommenApp&amp;#8221; des Bundesamtes f\u00fcr Migration und Fl\u00fcchtlinge: &lt;a href=&quot;https:\/\/ankommenapp.de\/APP\/DE\/Startseite\/startseite-node.html&quot; target=&quot;_blank&quot; rel=&quot;noopener&quot;&gt;https:\/\/ankommenapp.de\/APP\/DE\/Startseite\/startseite-node.html&lt;\/a&gt; (abgerufen 13.02.2021).&lt;br \/&gt;\n'><sup>13<\/sup><\/a><\/span><\/li>\n<li>Fachkr\u00e4fte in der Beratung sollten dazu beitragen, auch Gefl\u00fcchteten ein Bild fairer Rechtstaatlichkeit zu erm\u00f6glichen. Das mag zuweilen schwierig sein, wenn Asylverfahren in erster Linie als \u201ekalter Verwaltungsakt&#8221; erlebt werden. Die notwendige Solidarisierung mit den Anliegen der Gefl\u00fcchteten und eine professionelle Parteilichkeit<span id='easy-footnote-14-1281' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/crossroads-bis-2024.hi-deutschland-projekte.de\/crossroads\/capacity-building\/roadbox\/grundlegende-informationen-zur-lebenssituation-von-gefluchteten-menschen-mit-behinderung\/#easy-footnote-bottom-14-1281' title=' Grundlegend: Hartwig, Luise\/Merchel, Joachim (Hrsg.) (2000). Parteilichkeit in der Sozialen Arbeit. M\u00fcnster: Waxmann. Speziell f\u00fcr Soziale Arbeit im Kontext von Fluchtmigration: Initiative Hochschullehrender zu Sozialer Arbeit in Gemeinschaftsunterku\u0308nften: Positionspapier: Soziale Arbeit mit Geflu\u0308chteten in Gemeinschaftsunterku\u0308nften. Professionelle Standards und sozialpolitische Basis, Berlin 2016; &lt;a href=&quot;http:\/\/www.fluechtlingssozialarbeit.de\/&quot; target=&quot;_blank&quot; rel=&quot;noopener&quot;&gt;http:\/\/www.fluechtlingssozialarbeit.de\/&lt;\/a&gt; (abgerufen 13.02.2021).'><sup>14<\/sup><\/a><\/span> sind wichtig, um sich mit vulnerablen Anliegen in einem administrativen Machtsystem zu behaupten. Das gilt f\u00fcr Fluchtberatung genauso wie f\u00fcr Selbsthilfegruppen und Behindertenhilfe. Dennoch scheint es wichtig zu sein, die Mitarbeitenden in \u00c4mtern, Beh\u00f6rden und Anlaufstellen nicht als \u201eGegner*innen&#8221; zu thematisieren und ihre Rolle nicht zu d\u00e4monisieren.<span id='easy-footnote-15-1281' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/crossroads-bis-2024.hi-deutschland-projekte.de\/crossroads\/capacity-building\/roadbox\/grundlegende-informationen-zur-lebenssituation-von-gefluchteten-menschen-mit-behinderung\/#easy-footnote-bottom-15-1281' title=' Janotta, Lisa (2020). Moral und Staatlichkeit: Fallgeschichten von Mitarbeitenden in Bundespolizei, Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rden und Aufenthaltsberatungsstellen. Opladen: Verlag Barbara Budrich.'><sup>15<\/sup><\/a><\/span><\/li>\n<li>Vor dem Hintergrund der fremdbestimmenden Asyl- und Aufnahmeprozeduren und der Darstellung des individuellen Schutzbedarfs sollten nicht die Ressourcen und Kompetenzen \u00fcbersehen werden, mit denen Gefl\u00fcchtete ihren Alltag bis dato organisatorisch und emotional bew\u00e4ltigen. Sie gilt es durch passende Unterst\u00fctzung zu stabilisieren.<span id='easy-footnote-16-1281' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/crossroads-bis-2024.hi-deutschland-projekte.de\/crossroads\/capacity-building\/roadbox\/grundlegende-informationen-zur-lebenssituation-von-gefluchteten-menschen-mit-behinderung\/#easy-footnote-bottom-16-1281' title='Seukwa, Louis Henri (2006). Der Habitus der \u00dcberlebenskunst. Zum Verh\u00e4ltnis von Kompetenz und Migration im Spiegel von Fl\u00fcchtlingsbiografien. M\u00fcnster: Waxmann.'><sup>16<\/sup><\/a><\/span><\/li>\n<\/ul>\nDie erste Ankunftsphase ist zahlreichen Fallbeispielen und Berichten<span id='easy-footnote-17-1281' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/crossroads-bis-2024.hi-deutschland-projekte.de\/crossroads\/capacity-building\/roadbox\/grundlegende-informationen-zur-lebenssituation-von-gefluchteten-menschen-mit-behinderung\/#easy-footnote-bottom-17-1281' title='Exemplarische Fallgeschichten finden sich unter anderem in dem Buch \u201eHauptsache weg. Fl\u00fcchtlinge erz\u00e4hlen&amp;#8221;, herausgegeben von Thomas Kley (2016), und au\u00dferdem auf folgenden Internetseiten:&lt;br \/&gt;\n&lt;a href=&quot;https:\/\/www.uno-fluechtlingshilfe.de\/hilfe-weltweit\/fluechtlinge-erzaehlen\/&quot; target=&quot;_blank&quot; rel=&quot;noopener&quot;&gt;https:\/\/www.uno-fluechtlingshilfe.de\/hilfe-weltweit\/fluechtlinge-erzaehlen\/&lt;\/a&gt;&lt;br \/&gt;\n&lt;a href=&quot;https:\/\/www.sos-kinderdoerfer.de\/informieren\/aktuelles\/sos-geschichten\/fluchtlingskinder-berichten-von-flucht&quot; target=&quot;_blank&quot; rel=&quot;noopener&quot;&gt;https:\/\/www.sos-kinderdoerfer.de\/informieren\/aktuelles\/sos-geschichten\/fluchtlingskinder-berichten-von-flucht&lt;\/a&gt; (abgerufen 13.02.2021).'><sup>17<\/sup><\/a><\/span> zufolge vor allem durch das Bed\u00fcrfnis der Gefl\u00fcchteten nach Ruhe und rudiment\u00e4rer physischer und seelischer Erholung gepr\u00e4gt. Dazu geh\u00f6ren im Fall von Menschen mit Behinderung nat\u00fcrlich auch der rasche Zugang zu medizinischer und sonstiger Versorgung (Therapien, Hilfsmittel, Assistenz und Medikamente), die eine rudiment\u00e4re Form von \u201eAlltag&#8221; mit den jeweiligen Beeintr\u00e4chtigungen zulassen.\n<p><em>Zusammenfassung:<\/em> In der ersten Phase geht es darum, von einem schon lange andauernden hohen Stresspegel erst einmal \u201erunterzukommen&#8221; und sich zu sammeln. Erst dann lassen sich n\u00e4chste Schritte zur Bew\u00e4ltigung der neuen Situation proaktiv angehen. Beratungs- und Unterst\u00fctzungsangebote sollten daher darauf ausgerichtet sein, Raum f\u00fcr Verlust- und Trauerrealisierung zu schaffen und beh\u00f6rdlichen Anforderungsdruck zu mildern.<\/p>\n<h3>\n\t\tPhase 2: Ankommen\n\t<\/h3>\n\tIn der zweiten Phase ist ein inneres Ankommen m\u00f6glich. Der Modus des Ankommens beschreibt die Gef\u00fchlslage, vorerst einen subjektiven \u201eZielort&#8221; erreicht zu haben. Dabei ist weniger die formale Residenz(-pflicht) oder die rechtliche Aussicht zum dauerhaften Verbleib an einem bestimmten Ort beziehungsweise in dem Aufnahmeland entscheidend. Vielmehr geht es um das subjektive Erleben eines sicheren Ortes, an dem ein Teil der existenziellen Bed\u00fcrfnisse in einer halbwegs verl\u00e4sslichen und transparenten Weise erf\u00fcllt werden k\u00f6nnen. Auch hier ist es also wichtig, zwischen den beh\u00f6rdlichen Erwartungen eines geordneten und z\u00fcgigen Feststellungs- und Aufnahmeverfahrens und den subjektiven Handlungsoptionen zu unterscheiden.<br \/>\nAnders als zum Beispiel die Rubrik \u201eAnkommen&#8221; auf der Website des Berliner Willkommenszentrums<span id='easy-footnote-18-1281' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/crossroads-bis-2024.hi-deutschland-projekte.de\/crossroads\/capacity-building\/roadbox\/grundlegende-informationen-zur-lebenssituation-von-gefluchteten-menschen-mit-behinderung\/#easy-footnote-bottom-18-1281' title='&lt;a href=&quot;https:\/\/www.berlin.de\/willkommenszentrum\/&quot; target=&quot;_blank&quot; rel=&quot;noopener&quot;&gt;https:\/\/www.berlin.de\/willkommenszentrum\/&lt;\/a&gt; (abgerufen 13.02.2021).'><sup>18<\/sup><\/a><\/span>, die direkt mit einer umfassenden Liste von Aufgaben und Pflichten begr\u00fc\u00dft &#8211; immerhin in zehn Sprachen &#8211; und offenkundig das formale Ankommen meint, geht es hier um das gef\u00fchlte Ankommen: das subjektive Empfinden, an einem Ort vorerst bleiben zu k\u00f6nnen, verbunden mit der Hoffnung, sich mit seinem Leben niederlassen zu k\u00f6nnen.\n<p>Auch das Ankommen l\u00f6st also noch nicht alle Fragen im Hinblick auf die Gewissheit und Dauerhaftigkeit des Asylschutzes, die in der k\u00fchlen Sprache der Asylverwaltung mit \u201eBleibeperspektive&#8221; gemeint ist.<span id='easy-footnote-19-1281' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/crossroads-bis-2024.hi-deutschland-projekte.de\/crossroads\/capacity-building\/roadbox\/grundlegende-informationen-zur-lebenssituation-von-gefluchteten-menschen-mit-behinderung\/#easy-footnote-bottom-19-1281' title='Schneck; Ulrike (2018). Therapie und Beratung im Kontext von Flucht und Trauma. In: Br\u00f6se, Johanna; Faas, Stefan; Stauber, Barbara (Hrsg.) (2018). Flucht. Herausforderungen f\u00fcr Soziale Arbeit. Wiesbaden; Springer VS. S. 179.'><sup>19<\/sup><\/a><\/span> Aber zumindest kreisen die Gedanken und die Aufmerksamkeit der gefl\u00fcchteten Person nicht mehr vorrangig um den n\u00e4chsten Aufbruch und die Suche nach einer n\u00e4chsten sicheren Etappe.<span id='easy-footnote-20-1281' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/crossroads-bis-2024.hi-deutschland-projekte.de\/crossroads\/capacity-building\/roadbox\/grundlegende-informationen-zur-lebenssituation-von-gefluchteten-menschen-mit-behinderung\/#easy-footnote-bottom-20-1281' title=' Nat\u00fcrlich gibt es viele Menschen, die nach einer Ankunft zum Beispiel in Deutschland dennoch den Plan haben, irgendwann zu Freunden oder Verwandten in einem anderen Land (zum Beispiel Gro\u00dfbritannien, Schweden) weiter reisen zu k\u00f6nnen. Das ist allerdings eine andere Grundsituation als in solchen F\u00e4llen, in denen Deutschland auch das angestrebte Zielland ist.'><sup>20<\/sup><\/a><\/span><\/p>\n<p>In der Phase des Ankommens geht es darum, das eigene Leben unter den Bedingungen von Provisorien in EAEs zu strukturieren und mit einer gewissen Selbstst\u00e4ndigkeit im Alltag umzustellen. Auch wenn viele Lebensbereiche vorerst durch Fremdbestimmung und restriktive Regelungen dominiert bleiben, er\u00f6ffnet die zweite Phase wieder Spielraum f\u00fcr eigene Lebensentw\u00fcrfe. Therapeutische Unterst\u00fctzung und spezifische Beratung, Bildungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr Kinder und zwischenmenschliche Kommunikationsbeziehungen, die gewisses basales Vertrauen ben\u00f6tigen, k\u00f6nnen erst jetzt wirklich wahrgenommen werden.<\/p>\n<p>Die Komplexit\u00e4t der Bedarfsermittlung im Fall einer Behinderung &#8211; was braucht die Person an Unterst\u00fctzung, was wei\u00df sie selbst \u00fcber ihren Bedarf und ihre Ressourcen? &#8211; ist oft so gro\u00df, dass die Begleitung durch freiwillig Engagierte, die in der ersten Zeit oft wichtige Bezugspersonen waren, nun an ihre Grenzen st\u00f6\u00dft.<span id='easy-footnote-21-1281' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/crossroads-bis-2024.hi-deutschland-projekte.de\/crossroads\/capacity-building\/roadbox\/grundlegende-informationen-zur-lebenssituation-von-gefluchteten-menschen-mit-behinderung\/#easy-footnote-bottom-21-1281' title='Kolbe, Simon (2019). Willkommenskultur im Wandel der Zeit. Flu\u0308chtling-Magazin. 2. September 2019. &lt;a href=&quot;https:\/\/www.kohero-magazin.de\/willkommenskultur-im-wandel-der-zeit\/&quot; target=&quot;_blank&quot; rel=&quot;noopener&quot;&gt;https:\/\/www.kohero-magazin.de\/willkommenskultur-im-wandel-der-zeit\/&lt;\/a&gt; (abgerufen 13.02.2021).'><sup>21<\/sup><\/a><\/span> Es braucht dar\u00fcber hinaus einen professionellen Beratungsansatz, um mit den Gefl\u00fcchteten gemeinsam Perspektiven und Priorit\u00e4ten f\u00fcr die n\u00e4chste Zeit zu kl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Die Psychologin Ulrike Schneck schl\u00e4gt einen Beratungsansatz vor, der zwischen f\u00fcnf haupts\u00e4chlichen \u201eBeschwerdebildern&#8221; differenziert:<span id='easy-footnote-22-1281' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/crossroads-bis-2024.hi-deutschland-projekte.de\/crossroads\/capacity-building\/roadbox\/grundlegende-informationen-zur-lebenssituation-von-gefluchteten-menschen-mit-behinderung\/#easy-footnote-bottom-22-1281' title='Schneck; Ulrike (2018):. Therapie und Beratung im Kontext von Flucht und Trauma. In: Br\u00f6se, Johanna; Faas, Stefan; Stauber, Barbara (Hrsg.) (2018). Flucht. Herausforderungen f\u00fcr Soziale Arbeit. Wiesbaden; Springer VS. S. 173-189.'><sup>22<\/sup><\/a><\/span><\/p>\n<ul>\n<li>psychosozialer Fokus<\/li>\n<li>migrationsspezifischer Fokus<\/li>\n<li>medizinischer Fokus<\/li>\n<li>traumabezogener Fokus<\/li>\n<li>kultureller Fokus<\/li>\n<\/ul>\n<p>Diese f\u00fcnf Bereiche h\u00e4ngen oft eng zusammen. Im Falle von Menschen mit Behinderung geht es vorrangig um die Erwirkung der unmittelbar notwendigen medizinischen und therapeutischen Hilfen sowie die Versorgung mit Hilfsmitteln. Da es sich h\u00e4ufig um Ermessensentscheidungen handelt, sind daf\u00fcr meistens fachkundige und fallbezogene Argumentationen mit den Leistungstr\u00e4gern und -erbringern erforderlich.<span id='easy-footnote-23-1281' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/crossroads-bis-2024.hi-deutschland-projekte.de\/crossroads\/capacity-building\/roadbox\/grundlegende-informationen-zur-lebenssituation-von-gefluchteten-menschen-mit-behinderung\/#easy-footnote-bottom-23-1281' title='Gag, Maren\/Weiser, Barbara (2020). Leitfaden zur Beratung von Menschen mit einer Behinderung im Kontext von Migration und Flucht. 2. Auflage. Hamburg. &lt;a href=&quot;http:\/\/www.fluchtort-hamburg.de\/publikationen&quot; target=&quot;_blank&quot; rel=&quot;noopener&quot;&gt;www.fluchtort-hamburg.de\/publikationen&lt;\/a&gt; (abgerufen 13.02.2021).'><sup>23<\/sup><\/a><\/span> Sofern Angeh\u00f6rige wie Eltern, Geschwister oder die eigenen Kinder die Hauptaufgabe der Begleitung einer behinderten Person \u00fcbernehmen, m\u00fcssen sie in das Unterst\u00fctzungs- und Ressourcensystem einbezogen werden, um selbst Entlastung zu erfahren.<\/p>\n<p>Die differenzierte Erkundung der gesundheitlichen Situation bei nicht v\u00f6llig offensichtlichen und sichtbaren Beeintr\u00e4chtigungen ist eine besondere Herausforderung, da gesundheitliche Symptome leicht fehlinterpretiert werden k\u00f6nnen, also entweder gar nicht oder aber in unzutreffender Weise als \u201eBehinderung&#8221; erkannt werden. Die aktive Beteiligung und Mitwirkung gefl\u00fcchteter Personen ist hier besonders wichtig, um eine Stigmatisierung zu vermeiden und die Menschen nicht in eine hilflose Opferrolle zu dr\u00e4ngen. Zugleich gilt es, das benannte und sich offenbarende Leid ernst zu nehmen.<span id='easy-footnote-24-1281' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/crossroads-bis-2024.hi-deutschland-projekte.de\/crossroads\/capacity-building\/roadbox\/grundlegende-informationen-zur-lebenssituation-von-gefluchteten-menschen-mit-behinderung\/#easy-footnote-bottom-24-1281' title='Castro Varela, Maria do Mar (2018). Das Leiden der Anderen betrachten. Flucht, Solidarit\u00e4t und Postkoloniale Soziale Arbeit. In: Br\u00f6se, Johanna; Faas, Stefan; Stauber, Barbara (Hrsg.) (2018). Flucht. Herausforderungen f\u00fcr Soziale Arbeit. Wiesbaden; Springer VS. S. 3-20.'><sup>24<\/sup><\/a><\/span><\/p>\n<h3>\n\t\tPhase 3: Reinkommen\n\t<\/h3>\n\t<p>F\u00fcr eine l\u00e4ngerfristige Lebensplanung bedarf es der Klarheit \u00fcber den asylrechtlichen Aufenthaltsstatus und der Anerkennung einer Schwerbehinderung. Beides sind Vorbedingungen, um in den oben genannten Lebensbereichen die eigenen Rechte wahrnehmen und die verteilten institutionellen Zust\u00e4ndigkeiten zumindest nachvollziehen zu k\u00f6nnen, um an den richtigen Stellen die jeweilige Unterst\u00fctzung einzuholen.<\/p>\n<p>Das betrifft vor allem existenzielle Lebensbereiche, in denen gefl\u00fcchtete Personen im Umgang mit ihrer Beeintr\u00e4chtigung eine verl\u00e4ssliche Struktur durch institutionelle Unterst\u00fctzung ben\u00f6tigen, zum Beispiel baldige Therapietermine oder Assistenzleistungen.<span id='easy-footnote-25-1281' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/crossroads-bis-2024.hi-deutschland-projekte.de\/crossroads\/capacity-building\/roadbox\/grundlegende-informationen-zur-lebenssituation-von-gefluchteten-menschen-mit-behinderung\/#easy-footnote-bottom-25-1281' title='Gag, Maren\/Weiser, Barbara (2020). Leitfaden zur Beratung von Menschen mit einer Behinderung im Kontext von Migration und Flucht. 2. Auflage. Hamburg. &lt;a href=&quot;http:\/\/www.fluchtort-hamburg.de\/publikationen&quot; target=&quot;_blank&quot; rel=&quot;noopener&quot;&gt;www.fluchtort-hamburg.de\/publikationen&lt;\/a&gt; (abgerufen 13.02.2021).'><sup>25<\/sup><\/a><\/span> Ebenfalls dazu geh\u00f6ren:<\/p>\n<ul>\n<li>eine angemessene Wohnsituation und \u00f6rtliche Mobilit\u00e4t<\/li>\n<li>die Kl\u00e4rung der Familien- und sonstigen sozialen Unterst\u00fctzungssysteme<\/li>\n<li>bei Kindern und Jugendlichen die (inklusive) Beschulung<\/li>\n<li>nachhaltige und bedarfsgerechte Hilfsmittelversorgung<\/li>\n<\/ul>\n<p>In einer modernen Gesellschaft mit vielen separaten Organisationen, Verwaltungen und Rechtsgrundlagen bedeutet Reinkommen in erster Linie, sich (mit Unterst\u00fctzung) in institutionellen Strukturen orientieren und verst\u00e4ndigen zu k\u00f6nnen. Dar\u00fcber hinaus stellen aber auch andere Lebensbereiche soziale Strukturen dar, in die jemand erst hineinkommen muss: zum Beispiel eine neue Schulklasse, die Hausgemeinschaft am neuen Wohnort oder eine Jugendwohngruppe f\u00fcr unbegleitete minderj\u00e4hrige Jugendliche.<\/p>\n<p>Im Hinblick auf die sozialen Strukturen zeigen zahlreiche Studien, wie wichtig die soziale Unterst\u00fctzung durch vertraute beziehungsweise vertrauensw\u00fcrdige Menschen ist.<span id='easy-footnote-26-1281' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/crossroads-bis-2024.hi-deutschland-projekte.de\/crossroads\/capacity-building\/roadbox\/grundlegende-informationen-zur-lebenssituation-von-gefluchteten-menschen-mit-behinderung\/#easy-footnote-bottom-26-1281' title='Franka Metzner, Franka\/Zimmer, Isabel\/Wolknitz, PhilippWlodarczyk, Olga\/Wichmann, Michelle\/Pawils, Silke (2018). Soziale Unterstu\u0308tzung bei unbegleitet und begleitet geflu\u0308chteten Jugendlichen und jungen Erwachsenen nach der Ankunft in Deutschland: Ergebnisse einer Befragung in \u201aWillkommensklassen&amp;#8217; an Hamburger Berufsschulen. Zeitschrift fu\u0308r Flu\u0308chtlingsforschung 2. Jg. (2018), Heft 1, S. 3-31.'><sup>26<\/sup><\/a><\/span> Wenn der vertraute Personenkreis allerdings dauerhaft auf professionelle Fachkr\u00e4fte, freiwillig Engagierte in Willkommensinitiativen oder die eigenen Familienmitglieder beschr\u00e4nkt bleibt, stagniert der Prozess irgendwann. Ein weiterer Grund f\u00fcr das Risiko prek\u00e4rer sozialer Beziehungen k\u00f6nnen h\u00e4ufige Orts- und Unterkunftswechsel und damit bei Jugendlichen mehrfache Schulwechsel im Zuge l\u00e4ngerer Asylverfahren sein.<span id='easy-footnote-27-1281' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/crossroads-bis-2024.hi-deutschland-projekte.de\/crossroads\/capacity-building\/roadbox\/grundlegende-informationen-zur-lebenssituation-von-gefluchteten-menschen-mit-behinderung\/#easy-footnote-bottom-27-1281' title='Schroeder, Joachim (2020). Sozialr\u00e4umliche Barrieren in der Bildungslandschaft. Die Unterbringungspolitik von Gefl\u00fcchteten als Hindernis f\u00fcr fluchtsensible Schulkonzepte. In: Jepkens, Katja, Scholten Lisa, van Rie\u00dfen Anne. (Hrsg,). Integration im Sozialraum. Wiesbaden: Springer VS, S. 293-308.'><sup>27<\/sup><\/a><\/span><\/p>\n<p>Reinkommen in weiterem Sinn hei\u00dft also in neue soziale Bez\u00fcge hineinzufinden und sich damit aus oft einseitigen Abh\u00e4ngigkeiten l\u00f6sen zu k\u00f6nnen. Das ist f\u00fcr gefl\u00fcchtete Menschen mit schweren und schwersten Behinderungen h\u00e4ufig besonders schwierig. Die gefl\u00fcchtete Person muss sich selbst mit ihren St\u00e4rken und Schw\u00e4chen wiedererkennen und mitkommen k\u00f6nnen, ohne sich erneut einer Fremdbestimmung ausgeliefert zu sehen.<\/p>\n<h3>\n\t\tPhase 4: Weiterkommen\n\t<\/h3>\n\tDie vierte und letzte Phase ist das Weiterkommen. Gefl\u00fcchtete Menschen bringen nicht nur Leiderfahrungen, sondern auch langfristige Lebensziele und Aspirationen mit.<span id='easy-footnote-28-1281' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/crossroads-bis-2024.hi-deutschland-projekte.de\/crossroads\/capacity-building\/roadbox\/grundlegende-informationen-zur-lebenssituation-von-gefluchteten-menschen-mit-behinderung\/#easy-footnote-bottom-28-1281' title='Laura Lambert, Laura\/von Blumenthal, Julia\/Beigang, Steffen (2018). Flucht und Bildung: Hochschulen. State-of-Research Papier 8b, Verbundprojekt \u201aFlucht: Forschung und Transfer&amp;#8217;. Osnabru\u0308ck: Institut fu\u0308r Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) der Universita\u0308t Osnabru\u0308ck \/ Bonn: Internationales Konversionszentrum Bonn (BICC), April 2018.&lt;br \/&gt;\nMau\u00e9, Elisabeth\/Schumann, Stephan\/Diehl, Claudia (2018). Bildungshintergrund und Bildungspl\u00e4ne geflu\u0308chteter Jugendlicher im System der beruflichen Bildung. In: Wittmann, Eveline; Frommberger, Dietmar; Ziegler, Birgit (Hrsg.). Jahrbuch der berufs- und wirtschaftsp\u00e4dagogischen Forschung 2018. Opladen: Verlag Barbara Budrich. S. 137-148.'><sup>28<\/sup><\/a><\/span> Das gilt nat\u00fcrlich auch f\u00fcr Menschen mit Behinderung. Unabh\u00e4ngig von der Frage, ob eine Asylsituation vor\u00fcbergehend ist oder auf einen dauerhaften Lebensmittelpunkt am neuen Ort hinausl\u00e4uft: Jeder Mensch braucht klare Perspektiven, auf die sich die eigene Lebensplanung fokussieren kann und f\u00fcr die es sich zu engagieren lohnt. Um die Potenziale im Sinne eines pers\u00f6nlichen beziehungsweise famili\u00e4ren Fortschritts frei zu setzen, braucht es lohnende eigene Entwicklungsprojekte. Dazu z\u00e4hlen unter anderem:\n<ul>\n<li>ein gemeinsames Leben in einer ad\u00e4quaten Wohnung mit der Kernfamilie<\/li>\n<li>geeignete und barrierefreie Sprach- und Integrationskurse als Basis f\u00fcr (Weiter-)Bildung<\/li>\n<li>Zug\u00e4nge zu beruflicher Bildung und zum Arbeitsleben und dabei gegebenenfalls auch Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben<\/li>\n<\/ul>\n<p>In einem Gutachten zu Familien mit Fluchthintergrund<span id='easy-footnote-29-1281' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/crossroads-bis-2024.hi-deutschland-projekte.de\/crossroads\/capacity-building\/roadbox\/grundlegende-informationen-zur-lebenssituation-von-gefluchteten-menschen-mit-behinderung\/#easy-footnote-bottom-29-1281' title='&lt;a href=&quot;https:\/\/www.bmfsfj.de\/blob\/140756\/d9b5173da1eca339f2507a4c60bcffdd\/familien-mit-fluchthintergrund-aktuelle-fakten-data.pdf&quot; target=&quot;_blank&quot; rel=&quot;noopener&quot;&gt;https:\/\/www.bmfsfj.de\/blob\/140756\/d9b5173da1eca339f2507a4c60bcffdd\/familien-mit-fluchthintergrund-aktuelle-fakten-data.pdf&lt;\/a&gt; (abgerufen 13.02.2021).'><sup>29<\/sup><\/a><\/span> f\u00fcr das Bundesministerium f\u00fcr Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) wird einger\u00e4umt, dass<\/p>\n<p>\u201eFamilien mit Fluchthintergrund &#8211; in vielen Fa\u0308llen durch die Flucht getrennt &#8211; bisweilen nur im Kontext des Themas Familiennachzug diskutiert (werden), wa\u0308hrend andere familienpolitische Herausforderungen [nach einer Zusammenf\u00fchrung] nur wenig in der \u00d6ffentlichkeit thematisiert werden.&#8221;<\/p>\n<p>\u00dcber die Zahl gefl\u00fcchteter Familien, in denen ein Kind oder ein erwachsenes Familienmitglied eine Beeintr\u00e4chtigung im Sinne einer (anerkannten) Behinderung hat, gibt das Gutachten keine Auskunft. Aus der Beratung ist mittlerweile klar, dass ein Leben mit einer Beeintr\u00e4chtigung als kollektive Lebenslage der ganzen Familie zu sehen ist.<span id='easy-footnote-30-1281' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/crossroads-bis-2024.hi-deutschland-projekte.de\/crossroads\/capacity-building\/roadbox\/grundlegende-informationen-zur-lebenssituation-von-gefluchteten-menschen-mit-behinderung\/#easy-footnote-bottom-30-1281' title='&lt;a href=&quot;https:\/\/www.caritas.de\/cms\/contents\/caritas.de\/medien\/dokumente\/fachthemen\/migration\/umfrage-zur-versorgu\/umfrage_zur_versorgungslage_gefluechteter_menschen_mit_behinderung_v2.pdf?d=a&amp;amp;f=pdf&quot; target=&quot;_blank&quot; rel=&quot;noopener&quot;&gt;https:\/\/www.caritas.de\/cms\/contents\/caritas.de\/medien\/dokumente\/fachthemen\/migration\/umfrage-zur-versorgu\/umfrage_zur_versorgungslage_gefluechteter_menschen_mit_behinderung_v2.pdf?d=a&amp;amp;f=pdf&lt;\/a&gt; (abgerufen 13.02.2021).'><sup>30<\/sup><\/a><\/span> Vielfach sind es Familienangeh\u00f6rige, die die wichtigsten pflegerischen und Betreuungsaufgaben wahrnehmen. Der formale Bewilligungsweg zu einer externen Assistenz ist lang und oft auch keine Option innerhalb der gewohnten und vertrauten Familiensolidarit\u00e4t.<\/p>\n<p>Besonders Frauen\/M\u00fctter \u00fcbernehmen in den gefl\u00fcchteten Familien \u00fcberwiegend die Sorgearbeit. Das f\u00fchrt oft dazu, dass sie selbst keine Integrations- und Bildungsangebote wahrnehmen k\u00f6nnen.<span id='easy-footnote-31-1281' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/crossroads-bis-2024.hi-deutschland-projekte.de\/crossroads\/capacity-building\/roadbox\/grundlegende-informationen-zur-lebenssituation-von-gefluchteten-menschen-mit-behinderung\/#easy-footnote-bottom-31-1281' title=' Worbs, Susanne\/Baraulina, Tatjana (2017). Geflu\u0308chtete Frauen in Deutschland: Sprache, Bildung und Arbeitsmarkt, BAMF-Kurzanalyse, Nr. 1. &lt;a href=&quot;https:\/\/www.bamf.de\/SharedDocs\/Anlagen\/DE\/Forschung\/Kurzanalysen\/kurzanalyse7_gefluchetete-frauen.html?nn=404000&quot; target=&quot;_blank&quot; rel=&quot;noopener&quot;&gt;https:\/\/www.bamf.de\/SharedDocs\/Anlagen\/DE\/Forschung\/Kurzanalysen\/kurzanalyse7_gefluchetete-frauen.html?nn=404000&lt;\/a&gt; (abgerufen 13.02.2021).'><sup>31<\/sup><\/a><\/span> In einem ganzheitlichen Inklusionsansatz m\u00fcssten durch differenzierte, auf die ganze Familie gerichtete Leistungen zur sozialen Teilhabe Entlastungsr\u00e4ume f\u00fcr alle Beteiligten geschaffen werden, zum Beispiel durch Schulbegleitung, pers\u00f6nliche Assistenz oder Kurzzeitpflege. Eltern oder Angeh\u00f6rige m\u00fcssen mit solchen institutionellen Hilfestrukturen erst vertraut gemacht werden. Im Fall j\u00fcngerer Kindern mit Beeintr\u00e4chtigung tragen die Kindertageseinrichtungen eine besondere Verantwortung, die Familien auf Hilfen und Leistungen hinzuweisen und zu unterst\u00fctzen.<span id='easy-footnote-32-1281' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/crossroads-bis-2024.hi-deutschland-projekte.de\/crossroads\/capacity-building\/roadbox\/grundlegende-informationen-zur-lebenssituation-von-gefluchteten-menschen-mit-behinderung\/#easy-footnote-bottom-32-1281' title='&lt;a href=&quot;https:\/\/www.lebenshilfe.de\/fileadmin\/Redaktion\/PDF\/2_Informieren\/BVLH-Flucht-und-Behinderung-Praxishilfe-fuer--KiTas.pdf&quot; target=&quot;_blank&quot; rel=&quot;noopener&quot;&gt;https:\/\/www.lebenshilfe.de\/fileadmin\/Redaktion\/PDF\/2_Informieren\/BVLH-Flucht-und-Behinderung-Praxishilfe-fuer&amp;#8211;KiTas.pdf&lt;\/a&gt; (abgerufen 13.02.2021).'><sup>32<\/sup><\/a><\/span><\/p>\n<p>Ein weiterer Baustein f\u00fcr den Zugang zu Bildung und Arbeit sind Integrationskurse f\u00fcr gefl\u00fcchtete Menschen. Das Bundesamt f\u00fcr Migration und Fl\u00fcchtlinge erm\u00f6glicht zwar die Einrichtung spezieller Integrationskurse f\u00fcr Menschen mit Behinderung, zum Beispiel f\u00fcr Geh\u00f6rlose oder Sehbehinderte. Allerdings sind die wenigen Angebote nicht fl\u00e4chendeckend und selten in der unmittelbaren N\u00e4he ihrer Lebensorte zu finden. Bei solchen speziellen Kursen handelt es sich um \u201eSonderangebote&#8221;, die dem Gedanken einer gesellschaftlichen Inklusion zun\u00e4chst widersprechen. Trotzdem sind sie f\u00fcr die Erschlie\u00dfung der eigenen Bildungsm\u00f6glichkeiten und Weiterqualifizierung im Aufnahmeland unerl\u00e4sslich.<\/p>\n<p>F\u00fcr die allermeisten Jugendlichen und Erwachsenen bedeutet Weiterkommen vor allem, dass man mit einer sinnvollen und ad\u00e4quaten beruflichen T\u00e4tigkeit den eigenen Lebensunterhalt bestreiten kann. Zudem ist die Arbeitswelt einer der wichtigsten Lebensbereiche, um soziale Kontakte aufzubauen und soziale Anerkennung zu finden. Eine berufliche Erwerbst\u00e4tigkeit ist zudem eine zentrale Quelle f\u00fcr Selbstwert, mit der Gefl\u00fcchtete ihren Angeh\u00f6rigen nicht nur symbolisch, sondern auch durch finanzielle Unterst\u00fctzung zeigen k\u00f6nnen, dass die Hoffnungen auf ein besseres Leben nach einer Flucht sich auch realisiert haben. R\u00fcck\u00fcberweisungen selbsterwirtschafteter Geldbetr\u00e4ge an Angeh\u00f6rige sind laut Berichten der Weltbank eines der wichtigsten Mittel und Motive f\u00fcr Gefl\u00fcchtete, sich rasch um eigenes Einkommen zu bem\u00fchen.<span id='easy-footnote-33-1281' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/crossroads-bis-2024.hi-deutschland-projekte.de\/crossroads\/capacity-building\/roadbox\/grundlegende-informationen-zur-lebenssituation-von-gefluchteten-menschen-mit-behinderung\/#easy-footnote-bottom-33-1281' title='&lt;a href=&quot;https:\/\/www.worldbank.org\/en\/topic\/migrationremittancesdiasporaissues\/brief\/migration-and-remittances-publications&quot; target=&quot;_blank&quot; rel=&quot;noopener&quot;&gt;https:\/\/www.worldbank.org\/en\/topic\/migrationremittancesdiasporaissues\/brief\/migration-and-remittances-publications&lt;\/a&gt; (abgerufen 13.02.2021). Siehe dazu auch den Artikel \u201eDollars f\u00fcr die Heimat&amp;#8221; in DIE ZEIT Nr. 52\/2020. '><sup>33<\/sup><\/a><\/span> Die Aussicht auf einen Beruf und auf Erwerbsm\u00f6glichkeiten ist insofern der ressourcenbetonende Gegenpol zum Recht auf materielle, medizinische und soziale Unterst\u00fctzung in schwierigen Lebensumst\u00e4nden.<\/p>\n<p>F\u00fcr gefl\u00fcchtete Menschen mit einer Beeintr\u00e4chtigung ist die Integration ins Arbeitsleben h\u00e4ufig noch komplexer als f\u00fcr Gefl\u00fcchtete ohne Beeintr\u00e4chtigung, denn zu den allgemeinen sprachlichen und qualifikationsbezogenen Herausforderungen kommen gegebenenfalls andere Unterst\u00fctzungsbedarfe zur Teilhabe am Arbeitsleben hinzu. Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben werden erbracht, um die Erwerbsf\u00e4higkeit von Menschen mit Behinderung oder von Behinderung bedrohten Menschen zu erhalten, zu verbessern, herzustellen oder wiederherzustellen.<span id='easy-footnote-34-1281' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/crossroads-bis-2024.hi-deutschland-projekte.de\/crossroads\/capacity-building\/roadbox\/grundlegende-informationen-zur-lebenssituation-von-gefluchteten-menschen-mit-behinderung\/#easy-footnote-bottom-34-1281' title='&lt;a href=&quot;https:\/\/www.talentplus.de\/foerderung\/rechtliches-und-hintergrund\/leistungen-zur-teilhabe-am-arbeitsleben\/index.html&quot; target=&quot;_blank&quot; rel=&quot;noopener&quot;&gt;https:\/\/www.talentplus.de\/foerderung\/rechtliches-und-hintergrund\/leistungen-zur-teilhabe-am-arbeitsleben\/index.html&lt;\/a&gt; (abgerufen 13.02.2021).'><sup>34<\/sup><\/a><\/span> Maren Gag kommt in einer Expertise zur Bildungs- und Arbeitsteilhabe (junger) Gefl\u00fcchteter mit Beeintr\u00e4chtigung allerdings zu einem kritischen Ergebnis:<span id='easy-footnote-35-1281' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/crossroads-bis-2024.hi-deutschland-projekte.de\/crossroads\/capacity-building\/roadbox\/grundlegende-informationen-zur-lebenssituation-von-gefluchteten-menschen-mit-behinderung\/#easy-footnote-bottom-35-1281' title='&lt;a href=&quot;https:\/\/b-umf.de\/src\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/beitrag_maren-gag_gefluechtete-mit-einer-behinderung.pdf&quot; target=&quot;_blank&quot; rel=&quot;noopener&quot;&gt;https:\/\/b-umf.de\/src\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/beitrag_maren-gag_gefluechtete-mit-einer-behinderung.pdf&lt;\/a&gt; (abgerufen 13.02.2021).'><sup>35<\/sup><\/a><\/span> Teils zu beobachtende Unkenntnisse der jeweiligen (aufenthalts-)rechtlichen Grundlagen bei Rehateams der Bundesagentur f\u00fcr Arbeit, sprachliche Verst\u00e4ndigungsgrenzen und fehlende inklusive Berufsbildungsangebote sind einige der Gr\u00fcnde, weshalb bislang nur wenige Gefl\u00fcchtete mit Beeintr\u00e4chtigung eine Berufsausbildung und Erwerbst\u00e4tigkeit aufnehmen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>So l\u00e4sst sich res\u00fcmieren, dass das Weiterkommen f\u00fcr die gegenw\u00e4rtige Lage im Kontext der Fluchtmigration in Deutschland &#8211; f\u00fcnf Jahre nach dem \u201eLangen Sommer der Migration&#8221;<span id='easy-footnote-36-1281' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/crossroads-bis-2024.hi-deutschland-projekte.de\/crossroads\/capacity-building\/roadbox\/grundlegende-informationen-zur-lebenssituation-von-gefluchteten-menschen-mit-behinderung\/#easy-footnote-bottom-36-1281' title=' Hess, Sabine\/Kasparek, Bernd\/Kron, Stefanie\/Rodatz, Mathias\/Schwertl, Maria\/Sontowski, Simon (Hrsg.) (2016). Der lange Sommer der Migration. Grenzregime III. Berlin\/Hamburg: Assoziation A. '><sup>36<\/sup><\/a><\/span> &#8211; ein wichtiges Beratungsfelder ist, das besonderer Aufmerksamkeit bedarf.<\/p>\n<h3>\n\t\tFazit\n\t<\/h3>\n\t<p>Betrachtet man die aktuellen Fachdiskussionen sowie die Praxisentwicklungen zur Beratungssituation<span id='easy-footnote-37-1281' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/crossroads-bis-2024.hi-deutschland-projekte.de\/crossroads\/capacity-building\/roadbox\/grundlegende-informationen-zur-lebenssituation-von-gefluchteten-menschen-mit-behinderung\/#easy-footnote-bottom-37-1281' title='Korntheuer, Annette (2020). Intersektionale Ausschl\u00fcsse am Schnittpunkt Flucht und Behinderung. Erste Analysen in der Landeshauptstadt M\u00fcnchen. In Zeitschrift f\u00fcr Inklusion 3. &lt;a href=&quot;https:\/\/www.inklusion-online.net\/index.php\/inklusion-online\/article\/view\/538&quot; target=&quot;_blank&quot; rel=&quot;noopener&quot;&gt;https:\/\/www.inklusion-online.net\/index.php\/inklusion-online\/article\/view\/538&lt;\/a&gt; (abgerufen 13.02.2021).'><sup>37<\/sup><\/a><\/span>, so l\u00e4sst sich feststellen, dass die Unterst\u00fctzungs- und Beratungsstrukturen f\u00fcr die ersten Phasen im Laufe der vergangenen Jahre durch spezifische Angebote gest\u00e4rkt werden konnten. Grundlegende Defizite wurden durch Praxisprojekte und wissenschaftliche Expertisen immer wieder benannt und zumindest teilweise durch Aufkl\u00e4rung und Pr\u00e4zisierung der rechtlichen Rahmenbedingungen gemindert. Dabei entwickelte sich ein differenzierteres Verst\u00e4ndnis der in den jeweiligen Phasen vorrangigen Bed\u00fcrfnisse und Handlungsm\u00f6glichkeiten aus der Perspektive gefl\u00fcchteter Menschen.<\/p>\n<p>Die langfristigen Perspektiven, wie sie besonders in der Phase \u201eWeiterkommen&#8221; angesprochen wurden, h\u00e4ngen weniger von aufenthaltsrechtlichen Bedingungen als von einer inklusionsorientierten Gestaltung der lokalen Freizeit-, Bildungs- und Arbeitsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr gefl\u00fcchtete Kinder, Jugendliche und Erwachsene ab. Dabei w\u00e4re es wichtig, dass Politik und Tr\u00e4gereinrichtungen den Grundgedanken einer allgemeinen Inklusion im Sinne der UN-Konvention f\u00fcr die Rechte von Menschen mit Behinderungen nicht unterlaufen und neue Sonderstrukturen schaffen, sondern gefl\u00fcchtete Menschen als eine von vielen Teilgruppen einer allgemeinen lokalen Teilhabepolitik betrachten.<\/p>\n\t<h2>Links und Downloads mit Kurzbeschreibung (TXT 7)<\/h2>\n\t<p>Gefl\u00fcchtete Menschen mit Behinderung bedarfsgerecht unterbringen. Schutzbedarfe identifizieren &#8211; ein gemeinsames Positionspapier unter anderem von Handicap International:<\/p>\n\t<a href=\"https:\/\/crossroads-bis-2024.hi-deutschland-projekte.de\/crossroads\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2021\/04\/gefluechtete-menschen-mit-behinderung.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\n\t\tPositionspapier: Gefl\u00fcchtete Menschen mit Behinderung bedarfsgerecht unterbringen\t<\/a>\n\t<p>Der Parit\u00e4tische Wohlfahrtsverband und der bvkm haben 2020 eine Expertise zum Thema Migration und Behinderung abgeschlossen:<\/p>\n\t<a href=\"https:\/\/crossroads-bis-2024.hi-deutschland-projekte.de\/crossroads\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2021\/04\/neuuu-2_expertise_migration_und_behinderung_bvkm_paritaet_gv_2020_turhan_web_ver_1.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\n\t\tProjekt \u201ePerspektivenwechsel &#8211; Interkulturelle \u00d6ffnung der Behindertenhilfe&#8221;\t<\/a>\n\t<h2>Weiterf\u00fchrende Links<\/h2>\n\t<p>Deutsches Institut f\u00fcr Menschenrechte<\/p>\n<p>Die Monitoring-Stelle der UN-Behindertenrechtskonvention beim deutschen Institut f\u00fcr Menschenrechte: <a href=\"https:\/\/www.institut-fuer-menschenrechte.de\/das-institut\/abteilungen\/monitoring-stelle-un-behindertenrechtskonvention\/ueber-die-monitoring-stelle#:~:text=Die%20Monitoring%2DStelle%20UN%2DBehindertenrechtskonvention,%E2%80%9C%20%3D%20beobachten%2C%20kontrollieren).\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.institut-fuer-menschenrechte.de\/<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>bpb<\/p>\n<p>Informationen der Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung: <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/gesellschaft\/migration\/newsletter\/197794\/fluechtlinge-mit-behinderung\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.bpb.de\/gesellschaft\/migration\/newsletter\/197794\/fluechtlinge-mit-behinderung\u00a0<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Umfrage zur Versorgungslage<\/p>\n<p>Der Caritasverband f\u00fchrte 2019 Umfrage zur Versorgungslage gefl\u00fcchteter Menschen mit Behinderung in Deutschland innerhalb der Caritas durch: <a href=\"https:\/\/www.caritas.de\/fuerprofis\/fachthemen\/gesundheit\/gefluechtete-mit-behinderung\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.caritas.de\/fuerprofis\/fachthemen\/gesundheit\/gefluechtete-mit-behinderung<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Radiosondersendung zum Thema \u201eMigration und Behinderung&#8221;<\/p>\n<p>Wie gehen Menschen mit Migrationsvorgeschichte mit Behinderungen um? Werden sie anders behandelt &#8211; von Beh\u00f6rden etwa? Darum ging es der Sonderausgabe des interkulturellen Magazins bei Radio-Kaktus aus M\u00fcnster: <a href=\"https:\/\/youtu.be\/8l6IRqy3O5U\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/youtu.be\/8l6IRqy3O5U\u00a0<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gefl\u00fcchtete melden sich zu Wort<\/p>\n<p>Gefl\u00fcchtete mit Behinderung aus Freiburg berichten von ihren Erfahrungen: <a href=\"https:\/\/youtu.be\/38BoDyc8em4\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/youtu.be\/38BoDyc8em4\u00a0<\/a><\/p>\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Grundlegende Informationen zur Lebenssituation gefl\u00fcchteter Menschen mit Behinderung &copy; Till Mayer Einleitung: Lebenssituation gefl\u00fcchteter Menschen mit Behinderung Wer als gefl\u00fcchteter Mensch mit Behinderung in Deutschland ankommt, ist anfangs \u00fcberw\u00e4ltigt. 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Till Mayer Einleitung: Lebenssituation gefl\u00fcchteter Menschen mit Behinderung Wer als gefl\u00fcchteter Mensch mit Behinderung in Deutschland ankommt, ist anfangs \u00fcberw\u00e4ltigt. Dieses Kapitel evaluiert die Daten- und Versorgungslage gefl\u00fcchteter Menschen mit Behinderung in Deutschland und gibt Handlungsempfehlungen zum Thema. 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